ES KANN SCHON MAL KOMPLIZIERT WERDEN, WENN MAN ALLES RICHTIG MACHEN WILL UND DABEI AUS VERSEHEN ALLES FALSCH MACHT.
Schon mal darüber nachgedacht was wäre, wenn sich das Leben in einer Sekunde komplett verändert?
Tja. Ich auch nicht. Wie wohl viele andere auch.
Manchmal passiert einfach was. Unvorhergesehen. Nicht bestellt. Nicht geplant. Und schon gar nicht gewollt.
Unvorbereitet muss man auf einmal funktionieren. Und das völlig anders als gestern. Man trägt Verantwortung die man so nie wollte. Und ist eingebunden in eine Welt, die man gestern noch nicht kannte.
Genau so ist es mir passiert.
Nennt sich Schicksal. Manchmal Karma.
Ich nenne es Katastrophe.
SCHICKSAL, KARMA ODER KATASTROPHE?
Den grössten Teil meines Lebens habe ich damit verbracht, mich mit Schicksalsschlägen auseinanderzusetzen. Kaum hatte ich einen begriffen, kam auch schon der nächste um die Ecke. All die Dinge die uns normalerweise passieren, wenn wir selbst alt sind, sind mir bereits vor meinem 25sten Lebensjahr passiert.
Wie ich ja bereits schon ein paar mal so nebenbei erwähnt habe und wie es vielleicht viele von euch, die regelmässig meinen Blog besuchen, und auch den einen oder anderen Blogeintrag gelesen haben, bereits wissen müssten, ist mein Lebensabschnittsmensch Epileptiker. Nicht seit immer, sondern durch eine Meningoenzephalitis, die plötzlich und völlig unerwartet unser gemeinsames Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt hat. Im wahrsten Sinne. In unserem Leben dreht sich also alles 24/7 und das 365 Tage im Jahr um diesen Zirkus im Kopf, wie wir es gerne nennen. Das ist manchmal ganz schön herausfordernd und anstrengend. Aber nun mal nicht zu ändern.
Mit einem Epileptiker zusammenzuleben bedeutet einen ständigen Kampf zwischen Anspannung und Loslassen müssen und lässt so jeden Tag zu einem Abenteuer werden. Die Anfälle sind die eine Sache. Man lernt damit umzugehen. Man entwickelt einfach gezwungenermassen eine gewisse Routine und weiss in den meisten Situationen, was zu tun ist. Dennoch gewöhnt man sich daran nie so richtig.
Die Nebenwirkungen der vielen Anfälle, das Vergessen und das unüberlegte Handeln, die Stimmungsschwankungen und leicht aggressiven Momente, das manchmal schwierige Kommunizieren und die ständigen Vorwürfe sind die andere Sache, und machen das Leben mit einem an Epilepsie erkrankten Lebenspartner ungleich anstrengender.
EINE GANZ SCHÖN KOMPLIZIERTE HERAUSFORDERUNG
Als Partner und Pflegeperson, die man nun einmal ungefragt aber zwangsläufig auch wird, schwankt man ständig zwischen völliger Aufmerksamkeit, Dauerbereitschaft, dem Denken für zwei, Verantwortung und Teilzeitlebensrettung – und gleichzeitig den Vorwürfen, dass man sich zu viel kümmert, sich zu sehr einmischt, zu viel Einfluss nimmt, zu viel bestimmt und zu oft Anweisungen gibt. Man ist aber nun mal in der Verantwortung, wenn man sich um einen Menschen mit Beeinträchtigung in welcher Form auch immer kümmert, egal ob der Zustand dauerhaft oder nur sporadisch auftritt. Gleichzeitig ist man aber nicht nur pflegender Angehöriger sondern auch Liebespartner und Seelenverwandter. Dieser Spagat ist eine ganz schöne Herausforderung.
Man muss als Lebenspartner also ständig einen Mittelweg finden zwischen totaler Hilfsbereitschaft und Alarmbereitschaft, und dem gleichzeitigen Loslassen, um dem Partner ein gewisses Mass an Eigenverantwortung überlassen zu können. Damit er sich nicht behandelt fühlt wie ein kleines Kind. Zusätzlich sollte man den Partner aber auch wenn möglich noch als Partner wahrnehmen und nicht nur als Menschen mit Behinderung sehen, um den man sich zu kümmern hat.
Man braucht also multiple Denkmuster und muss immer auf der Hut sein, nicht alles nur auf eine bestimmte Art und Weise aus Sicht einer aussenstehenden Pflegeperson zu sehen. Gleichzeitig wird man Betriebsblind, weil man in seinem eigenen Leben selten den Blick von aussen hat.
Es ist fast unmöglich, das hinzukriegen.
Aber ich versuch’s. Jeden Tag erneut. Und scheitere nicht allzu selten. Konflikte sind also vorprogrammiert.
Dennoch führt unser Leben immer wieder zu besonderen Herausforderungen, abseits der Anfälle und der Krankheit an sich.
Und so ist es passiert, dass im Eifer des Gefechtes einfach unser Webspace, den wir gerade noch neu eingerichtet und alles drumherum schick gemacht hatten, unbedacht gelöscht wurde.
Peng.
Alles weg.
Mein Blog, den ich mir im letzten Monat endlich so eingestellt hatte, dass er mir wirklich gefällt. Schwer genug, das hinzukriegen.

SUCCESSFULLY DELEATED
Ja und gerade, als ich noch die Feinarbeiten erledigen wollte, ist es passiert. Hase wollte aufräumen. Was er auch getan hat. Gründlichst. Dabei wollte er unnötigen Kram löschen, um Platz zu sparen. Schliesslich ist nichts unendlich. Und ein Blog mit vielen Bildern kann schon mal die Kapazität des gebuchten Webspaceangebotes sprengen. So weit so gut. Und schlau. Blöd nur, wenn der Hase dabei versehentlich nicht nur den überflüssigen Webspace löscht sondern alles. Weil er vergessen hat, dass mein Webspace sein Webspace ist und alles zusammenhängt.
Das war jetzt alles kein Beinbruch. Aber es war doch ein bisschen blöd. Nicht nur, weil alles sehr mühselig ist sondern auch, weil es der eh schon angeschlagenen Psyche und dem Selbstwertgefühl nicht gerade gut tut, wenn man merkt, dass man Dinge einfach vergisst. Und dass man zwei und zwei nicht mehr zusammenzählen kann. Das Zusammenhänge begreifen ist durch die ständigen Anfälle tatsächlich beeinträchtigt. Und durch solche Ereignisse wird einem das ziemlich drastisch bewusst gemacht. Das tut nicht unbedingt gut. Und obwohl es eigentlich nicht schlimm ist nagt es doch an einem.
Wir haben das Problem natürlich wieder gelöst bekommen. Inklusive immensem Arbeitsaufwand. Aber was soll’s. Es ist nur…
Mir war tatsächlich überhaupt nicht klar, wieviel Herzblut in einem Blog stecken kann, den eigentlich kaum jemand liest. Erst jetzt, wo Tom aus versehen den Webspace gelöscht hat, wird mir das bewusst. Zuerst war ich erschrocken aber noch amüsiert, heute Nacht konnte ich jedoch schon nicht mehr schlafen und heute bin ich wirklich tief bewegt und traurig.
Wer hätte das gedacht.
Dabei schreibe ich eigentlich viel, aber dennoch nur sporadisch etwas rein. Ich poste nicht ständig wie verrückt alles, was mir gerade in den Sinn kommt. Weil ich denke, es liest sowieso niemand. Also ist es egal, ob ich blogge oder nicht.
Aber als plötzlich all meine Gedanken gelöscht waren, alte wie auch künftige, noch nicht veröffentlichte und diejenigen, die ich bereits als Entwurf gespeichert hatte, fühlte ich mich, als hätte ich einen guten Freund verloren.
Ich bin selbst ganz erstaunt darüber.
Künftig werde ich mich meinem Blog noch mehr verbunden fühlen.
Und ich werde mir angewöhnen, meine Texte extra zu schreiben. Nur für den Fall.








